Breaking News

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Chefredakteure, Intendanten, Staatssekretäre — und wir: Jessica Binsch (dpa), Hakan Tanriverdi (sz.de) und ich sind am 7. Mai auf der Media Convention in Berlin. Wir bringen Thesen zur Medien-Zukunft mit, die den Namen auch verdienen. Die Convention läuft parallel zur re:publica, unser Talk steht danach auch als Video und Text im Netz. Wir freuen uns auf Diskussion und Widersprüche!

Die “Breaking News”-Show: 23 Thesen zur Zukunft der Medien

17.4.2014 · Notizen · · 1 Kommentar

RSS. So wie Google News, nur viel besser

Wie man Kollegen beobachtet und frühzeitig wichtige Themen identifiziert, ganz ohne Twitter und Facebook. Oder auch: Anti-Social-Media für Journalisten. Ich verbringe ziemlich viel Zeit mit Social Media, um auf dem Laufenden zu bleiben und aktuelle Entwicklungen zu verfolgen. Außerdem lässt sich dort gut sehen, welche Art von Geschichten funktioniert. Gleichzeitig besteht die Gefahr, dass dort der Massengeschmack siegt, oder schlimmer noch: die eigene Filterblase.

Deswegen will ich zusätzlich ohne Social-Media-Filter wissen, was Nachrichtenseiten und Blogs berichten. So lassen sich Themen finden, die von Redaktionen oder Einzelpersonen für wichtig erachtet werden. (Wenn ich diese Einschätzung teile, diese Themen aber nicht auf Facebook und Twitter finde, kann das ein Ansatz für meine Arbeit sein.) So mache ich das:

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Das kommt am Ende dabei raus. Keine Sorge, ist ganz einfach

1. Webseiten abonnieren. Die meisten Webseiten stellen ihre Inhalte als RSS-Feed zur Verfügung. Man kann diese Webseiten dann mit einem RSS-Reader abonnieren, oft auch einzelne Ressorts, Themen oder Autoren. Das sieht dann so ähnlich aus wie ein E-Mailpostfach oder ein Newsticker, in dem die neuen Beiträge aller abonnierten Webseiten automatisch einlaufen.

Am einfachsten ist es, sich den Quelltext einer Webseite anzusehen (rechte Maustaste) und dann mit Cmd+f nach “rss” zu suchen. Den passenden Link, hier im Beispiel das Ressort Netzwelt auf Spiegel Online, kopiert man dann in den RSS-Reader.

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2. RSS-Reader einrichten. Seit dem Ende des Google Reader gibt es eine ganze Fülle von webbasierten RSS-Readern. Ich habe ziemlich viele davon ausprobiert — Feedly, Inoreader, The Old Reader, Digg Reader, AOL Reader und so weiter. Mir gefällt Feedbin am besten, weil ich nur dort eine perfekte dreispaltige Ansicht gefunden habe: Links die Quellen, in der Mitte die vollständigen Überschriften der Artikel und erste Anrisse, rechts der Volltext. Feedbin kostet 30 Dollar im Jahr.

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Aufgeräumt und ohne Schnörkel: So sieht Feedbin aus

3. Aus Snippets wieder Volltext machen. Viele Webseiten sind dazu übergegangen, über RSS nicht komplette Artikel zu versenden, sondern nur den Textanfang. Lesen soll man schließlich auf der Webseite, wo die Klicks das Geld bringen. Mit Full-Text RSS von FiveFilters.org kann man aus den meisten Snippet-Feeds wieder Volltext-Feeds machen. Die Software kann man entweder für 20 Euro kaufen und auf einem eigenen Server installieren (geht einfach) oder den Service für 8 Euro im Monat mieten.

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Man abonniert dann einen abgeschnitten RSS-Feed nicht mit dem RSS-Reader, sondern zunächst mit Full-Text RSS. Das Programm stellt einem dann einen neuen RSS-Feed zur Verfügung, in dem der Volltext enthalten ist. Diesen abonniert man dann mit dem RSS-Reader. Ein weiterer Vorteil: Die Volltext-Suche in allen abonnierten Feeds funktioniert mit den vollen Artikeltexten besser.

4. Fever° installieren. Der RSS-Reader ist schon gut und praktisch. Aber für einen schnellen Überblick wäre es doch gut, wenn der RSS-Reader alle Artikel zusammenfasst, in denen es um dieselbe Nachricht geht, oder? Und dann die News als erste anzeigt, über die gerade so gut wie alle berichten? So funktioniert Google News, und so funktioniert Fever°. Es ist ein persönlicher Aggregator.

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Fieberthermometer fürs Web: Fever° bündelt Artikel zum gleichen Thema

Man füttert Fever° mit seinen eigenen Quellen (das ist der Vorteil gegenüber Google News und all den anderen Angeboten) und sieht sofort, was die drei, vier Topthemen sind. Fever° muss man allerdings für 30 Dollar kaufen und selbst installieren. Wer ein WordPress aufgesetzt bekommt, kriegt das aber locker hin. Um jetzt nicht alle RSS-Feeds erneut zu abonnieren, exportiere ich aus meinem RSS-Reader einfach alle Abos. Diese OPML-Datei kann ich dann in Fever° importieren.

Außerdem abonniere ich in Fever° noch weitere Quellen, die ich nicht in meinem anderen RSS-Reader habe, weil sie meistens nicht interessant oder originell genug sind. In Fever° kann man sie als sogenannte Sparks abonnieren, als zusätzliche Signalgeber für die Wichtigkeit eines Themas.

5. Check. Doublecheck. Ein Blick auf Fever° sollte nun die wichtigsten Themen anzeigen. Wenn nicht, muss man an den Quellen schrauben. In meinem RSS-Reader lese ich, wenn ich Zeit habe, was die Kollegen so alles schreiben. In meinem RSS-Reader Feedbin kann ich meine Abos mit Tags versehen und sie so nach verschiedenen Themen sortieren. So kann ich mir zum Beispiel gezielt alle Artikel von den Quellen anzeigen lassen, die ich mit dem Schlagwort “Hacker” versehen habe.

6. Alles in einer App. Fever° und Feedbin habe gute Webansichten, die von Feedbin funktioniert auch auf einem Smartphone. Was die beiden Webapps organisieren, lässt sich aber auch in diversen Apps anzeigen. Für Mac OS und iOS ist Reeder eine beliebte Wahl. Die Beta der neuen Desktopversion gibt es gerade kostenlos.

Dieses Setup kostet einmalig 42 Euro. Dazu kommen Kosten fürs Webhosting, die bei mir aber ohnehin anfallen, und 22 Euro im Jahr für Feedbin. Ich habe die hier erwähnten Programme und Dienste alle gekauft, stehe nicht mit den Entwicklern in irgendeiner Beziehung und bekomme auch keine Prozente oder so etwas.

Ich freue mich wirklich sehr über Tipps, auf Twitter, per Mail oder hier in den Kommentaren.

Tipp von Simon Hurtz: Dem kostenlosen Inoreader kann man mit einem Useracript beibringen, Überschriften ´umzubrechen und nicht abzuschneiden. Inoreader hat ´mehr Funktionen als Feedbin und eine viel gelobte Community.

16.4.2014 · Notizen · · 7 Kommentare