Das Internet hat die Landtagswahlen gestohlen — oder zumindest die Prognosen. Denn 90 Minuten vor dem Schließen der Wahllokale veröffentlichten zwei Twitter-Nutzer sogenannte “Exit Polls”, ohne Quellenangabe. Das ist ein Problem. Nicht nur für die Ausplauderer, die damit eine Ordnungswidrigkeit begehen und schlimmstenfalls 50.000 Euro ärmer werden. Sondern für die Wahl. Alle subjektive Motivation beiseite, lohnt es sich rein objektiv in zwei Fällen, abzustimmen: Entweder, man schafft mit seiner Stimme ein Unentschieden. Oder man gibt mit seiner Stimme den Ausschlag für eine der Parteien. Wenn jemand nun schon vorher weiß, dass daraus wohl nichts werden wird — entscheidet er sich schnell nochmal um? Oder überdenkt er sein höchst irrationales Wahlvorhaben und bleibt lieber zu Hause? Dabei ist es es egal, ob ein paar hundert oder ein paar tausend Wähler auch nur ein wenig beeinflusst werden, die mit ihren paar Stimmen am Ergebnis womöglich ohnehin nichts ändern würden. Man muss es von der anderen Seite her denken. Für diese Wähler sind die Grundsätze der Wahl verletzt. Wären sie mal besser nicht im Internet unterwegs gewesen!
Ikea hat für den neuen Katalog die Schriftart Futura durch Verdana ersetzt – damit zeigt das sympathische Familienunternehmen mit den billigen Fleischklößen sein hässliches Gesicht. Denn was könnte anderes hinter der Entscheidung für eine kostengünstige Allerweltsschrift stecken, als bloßes Kostenkalkül und eiskalte Business-Strategie? Schauen wir ein Jahr zurück: Der Ikea-Katalog ist in Futura gesetzt, dieser geometrischen, klaren Schriftart von Paul Renner, die sich an den Bauhaus-Stil anlehnt. Eine Schriftart, die ihren 80. Geburtstag schon gefeiert hat, die trotzdem modern wirkt, schnörkellos, ausgefeilt. Die zum Image von Ikea passt.
Nach meinem Besuch bei den Inglourious Sozis (was leider der “Taz” eingefallen ist und nicht mir) nun schon der nächste Blog-Eintrag zum Superwahljahr 2009: Das beste, was ich bisher über die Piratenpartei gelesen habe, steht in den Vigilien von Ronnie Vuine, der erst Bernd Ulrich in der “Zeit” gelesen hat und anschließend schreibt: “Die Grünen waren die politische Manifestation einer Bewegung der radikalen Infragestellung. Die Piraten dagegen sind eigentlich stockbrav. Sie haben in Sozialkunde aufgepasst und fordern die Einhaltung der Regeln ein, die man ihnen beigebracht hat. Ihre Existenz ist zweifellos das schönste Kompliment, das der alten Dame Grundgesetz zum 60sten gemacht werden konnte.”
Im Bierzelt auf dem Hamburger Dom: Ralf Stegner, Ingo Egloff und Franz Müntefering
Der Wahlkampfauftakt der Hamburger SPD war alles andere als eine rauschende Party. Wenigsten war der Parteichef da und hat eine flammende Rede gehalten, das hat ein wenig abgelenkt von der ganzen Misere. Einerseits hoffen sie, auch ohne Schröder noch aus dem Umfragetief herauszuschaffen, dann wieder lassen sie ihre Zweifel erkennen. “Machen Sie sich keine Sorgen”, sagt der Bundestagsabgeordnete für den Bezirk Mitte, Johannes Kahrs, und man ahnt, das die Lage sehr, sehr ernst ist. Mehr in meinem Text auf Spiegel Online.