Notizen. Mein privates Weblog

Energieversorgung: Atom-Comeback bremst Windkraftwende →

Deutschlands Stromkonzerne hoffen nach der Wahl auf längere Laufzeiten für ihre Atommeiler – und auf üppige Gewinne. Doch Experten warnen: Ein Kernkraft-Comeback könnte den Ausbau teurer Windkraftanlagen auf Jahre verzögern.

12.10.2009 · Arbeit · Spiegel Online · · Kommentar?

mpuzzle

Monkey Puzzle in Hamburg

Monkey-puzzle

Monkey-puzzle

Monkey-puzzle

Ich habe heute ein Fossil besucht: Den Monkey Puzzle im Jenischpark. Araucaria araucana ist eine der ältesten Baumfamilien der Welt, je nach Quelle gab es sie schon vor 90 oder sogar 180 Millionen Jahren. Die Bäume werden über tausend Jahre und auch schon Mal doppelt so alt und sind in den Anden zu Hause, in Südchile und Patagonien. Weil das Holz gut zu bearbeiten ist, wird der Affenschwanzbaum gerne — auch illegal — gefällt. Er wird deshalb auf der Roten Liste als “gefährdet” geführt. In Europa wachsen Monkey Puzzles seit etwa Mitte des 18. Jahrhunderts zur Belustigung in Parks.

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11.10.2009 · Notizen · · · Kommentar?

Großbritannien: Gefängnisdirektoren fürchten totales Knast-Chaos →

Die Sicherheit britischer Gefängnisse ist nach einem Bericht des “Guardian” massiv von Sparplänen des britischen Finanzministers bedroht. Die Direktoren der überfüllten Anstalten fürchten chaotische Zustände. Nur privat betriebene Knäste bleiben offenbar von Kürzungen verschont.

6.10.2009 · Arbeit · Spiegel Online · · · Kommentar?

"The new rules of news"

Mehr Vorstellungskraft und weniger Faulheit fordert der amerikanische Medienexperte Dan Gillmor von Journalisten. Auf guardian.co.uk stellt er seine 22 Ideen für einen neuen Journalismus vor, “The new rules of news”. Endlich ein richtiges Manifest, nachdem das Wort hierzulande gerade über einer Liste mit 17 mehr oder weniger umstrittenen Gewissheiten zum Journalismus im Internetzeitalter stand. Hier Gillmors Forderungen in knapper (!) Übersetzung:

1. Wir verzichten bis auf wenige Ausnahmen auf Jahrestags- und Jubiläumsgeschichten. Sie sind Rückzugsort für faule, unkreative Journalisten.

2. Wir laden unsere Leser ein, an unseren Geschichten mitzuarbeiten. Das kann über Crowdsourcing, Blogs, Wikis und viele andere Techniken geschehen. Wir machen klar, dass wir nicht bloß andere für uns arbeiten lassen wollen und werden einen Mechanismus finden, Mitarbeit mit mehr als einem symbolischen Schulterklopfen zu belohnen.

3. Transparenz wird ein Kernelement unserer Berichterstattung. Zum Beispiel werden Artikel mit Hinweisen versehen, welche Fragen nicht beantwortet werden konnten. Die Leser werden eingeladen, zur Beantwortung der Fragen beizutragen.

4. Wir bieten unseren Lesern an, Korrekturen zu unseren Artikeln extra als Meldungen zu abonnieren. Wahlweise alle Verbesserungen oder nur grobe Schnitzer.

5. Der Austausch mit und zwischen unseren Lesern wird ein wichtiger Bestandteil unserer Arbeit.

6. Wir verzichten auf das bloße Verkünden von Stellungnahmen. Und wenn Teilnehmer einer Debatte mit falsche Aussagen arbeiten, weisen wir darauf hin.

7. Wir übersetzen PR-Sprache in präzise Worte. Wenn ein Interviewpartner Sprache falsch benutzt, verzichten wir auf ein direktes Zitat und nutzen indirekte Rede. (Beispiel: Diebstahl ist die falsche Bezeichnung für das, was Nutzer von Tauschbörsen im Internet machen.)

8. Wir setzen aus Überzeugung Links — auf relevante Seiten, Quellen und andere journalistische Angebote.

9. Wir bieten frei zugängliche Archive an und stellen Schnittstellen (APIs) bereit, damit andere unsere Berichterstattung für Zwecke nützen können, an die wir nicht gedacht haben.

10. Wir helfen unseren Lesern, informierte Mediennutzer zu sein, nicht bloß Konsumenten.

11. Wir publizieren keine “Die zehn …”-Listen. Siehe Punkt 1.

12. Bis auf wenige Ausnahmen verzichten wir auf direkte oder indirekte Zitate von anonymen Quellen. Ausnahmen müssen von der Quelle ausreichend (zum Beispiel mit einer Gefahr für Leib und Leben) begründet werden, die Begründung ist Teil der Berichterstattung.

13. Werden wir von einer anonymen Quelle wissentlich belogen, machen wir die Quelle öffentlich.

14. Leitartikel und Kommentare verzichten auf “muss”-Sätze (wie “Die Kanzlerin muss jetzt …”). “Muss” ist ein hohles Verb, das Machtlosigkeit demonstriert.

15. Wir weisen regelmäßig auf die Arbeit unserer Mitbewerber hin, inklusive Bloggern, die eine bestimmte Nische bearbeiten.

16. Darüber hinaus weisen wir auf wichtige Geschichten extra hin. Faustregel: Wenn wir uns ärgern, eine gute Geschichte nicht selbst gebracht zu haben, berichten wir über die Geschichte.

17. Je wichtiger wir ein Thema für unsere Zielgruppe erachten, desto hartnäckiger bleiben wir am Ball. Wenn wir zu dem Schluss kommen, dass eine bestimmte Regelung oder Praxis gefährlich ist, versuchen wir, die öffentliche Meinung zu beeinflussen. Das bedeutet, dass man laut und deutlich vor der Immobilienblase gewarnt hätte.

18. Für jedes Thema und jede Person, über die regelmäßig berichtet wird, stellen wir einen Hintergrundartikel bereit. Dieser soll Lesern ohne Vorkenntnisse in den Kontext aktueller Berichterstattung einführen.

19. Wir weisen Leser auf Möglichkeiten hin, wie sie auf die Themen unserer Berichterstattung reagieren können.

20. Wir tun unser Möglichstes, um verdeckte Interessen zu benennen.

21. Wir schätzen Risiken ehrlich ein und verzichten darauf, aus tragischen Einzelfällen ohne statistische Absicherung ein weit verbreitetes Phänomen zu machen (“immer mehr …”). Das verunsichert die Allgemeinheit und Gesetzgeber sehen sich unter Umständen gezwungen, auf irreale, von Medien gefütterte Ängste zu reagieren.

22. Es werden keine Leitartikel von wichtigen Politikern und Firmenführern veröffentlicht, solange sie den Text nicht tatsächlich selber geschrieben haben.

Der Originalartikel von Dan Gillmor steht unter einer Creative-Commons-Lizenz. Diese verkürzte Übersetzung dementsprechend auch.

4.10.2009 · Notizen · · · 14 Kommentare

"Dummy" genügt sich selbst

Dummy AtomDie aktuelle Ausgabe der “Dummy” hat das richtige Thema zur richtigen Zeit. Gerade hat Schwarz-Gelb die Wahl gewonnen, gehen die Aktien von Atomkraftwerk-betreibenden Energiekonzernen durch die Decke, da widmet sich das Berliner Magazin dem Thema “Atom”. Nur soll das bloß keiner merken. Jedenfalls nicht der durchschnittliche Besucher eines Zeitschriftenladens, der durchaus auf das Heft stoßen könnte. Ein unterkühltes Cover versteckt den explosiven Inhalt. Zu sehen ist ein Bild von einer Katastrophenübung, der Titel “Atom” duckt sich in Schriftgröße 8 in der linken oberen Ecke. “Dummy”-Fans und Design-Enthusiasten werden das Heft schon finden. Um alle anderen bemüht man sich erst gar nicht. Das ist die elitäre “Dummy”-Haltung, die was von FDP hat: die eigene Klientel glücklich machen, alle anderen hin und wieder plakativ schocken. Wie schade! Und was für eine verschenkte Chance!

Zum Inhalt: Mit Ausnahme einer Modestrecke aus Gorleben, die sich weitgehend auf Plastikjacken beschränkt und damit dem modischen Schaulaufen der Protestbewegung nicht annähernd gerecht wird — ein bisschen wie das Cover, das deutet ja auch nur höchst vage an — gibt’s dann eine Reihe ausführlicher, lesenswerter Texte, die den Atom-Wahnsinn schön auffächern. Allen voran die “kurze Geschichte” des Atommüllendlagers Asse II von Hubert Mania, “Die weißen Sümpfe von Wittmar”, mit Fotos von Dawin Meckel. Die ist mit der nötigen Portion Aufregung geschrieben und verweigert sich einfachen Antworten, eine schöne Gruselgeschichte für Abendstunden, in denen der Herbst die Fenster von außen benetzt.

Innen setzt sich die unterkühlte Gestaltung des Covers fort. Das Heft sieht in seiner strengen Schlichtheit aus wie eine Mischung aus “032c” (Art Director Mike Meiré) und “Humanglobaler Zufall” (Bureau Mirko Borsche), also zeitgemäß und preisverdächtig. Für das Layout zeichnet Ernst Bettler verantwortlich und damit niemand: Es ist ein Pseudonym, Bettler so etwas wie der Jakob Maria Mierscheid der Designer.

Nur dass Mierscheid mit Witz und Anarchie den Politik-Journalismus bereichert hat. Bettler hingegen hat die “Dummy” schockgefrostet.

4.10.2009 · Notizen · · 1 Kommentar

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