Notizen. Mein privates Weblog
Konzern-Quiz: Kennen Sie Deutschlands heimliche Riesen?
Sie beschäftigen Zehntausende Mitarbeiter und machen Milliarden Euro Umsatz – doch in die Nachrichten kommen Unternehmen wie Symrise, Krones oder Leoni nur selten. Testen Sie im SPIEGEL-ONLINE-Quiz Ihr Wissen über die unbekannten Größen der deutschen Wirtschaft.
Mein Tag mit Spiegel Online
- Millionen-Bankraub:
US-Ermittler jagen Hacker aus Osteuropa - Datenmissbrauch:
Bundesagentur verteidigt ihre Jobbörse - Zusammengebrochene Fonds:
US-Gericht spricht Milliarden-Zocker frei - Konjunkturschub:
Europas Wirtschaft vertraut auf rasche Erholung - Umfrage:
Eltern wollen Extra-Kindergeld dem Nachwuchs vorenthalten - Versteckte Preiserhöhung:
Konzerne tricksen bei Lebensmittel-Packungen - Tiefrote Zahlen:
Staatsbank HRE verliert 1,7 Milliarden Euro - Kräftiges Wachstum:
China kämpft sich aus der Wirtschaftskrise - Geld für GM:
Deutsche Industrie protestiert gegen Staatshilfen für Opel - Qualifizierung:
Kurzarbeiter verweigern Weiterbildung - Neue Aufgaben:
Sparkassen wollen Großkonzerne finanzieren -
Trotz GM-Absage:
Magna plant neue Geschäfte mit Opel
Ich und BusinessWeek
Als sporadischer Teilnehmer am Breitensport Ego-Googeln — Heise Online weiß: “nicht immer ist pure Eitelkeit das Motiv” — checke ich also hin und wieder, welchen ersten Eindruck Internet-Suchende von mir bekommen. Aus purer Eitelkeit natürlich. Und siehe da: Auf dem zweiten Platz bei google.com ist meine Autoren-Seite bei BusinessWeek gelandet. Dass ich so etwas überhaupt habe!

BusinessWeek-Screenshot: Freude über das ß aus purer Eitelkeit
Von dort gelangt man zu meinem Ende September erschienenen Artikel Pirates Score Big in German Election, der zuerst auf Spiegel Online stand, dann für unsere englische Seite übersetzt wurde und schließlich bei BusinessWeek gelandet ist, “as part of a special agreement”.
Buffalo is For Sale

Das ist der Bahnhofsvorplatz von Buffalo-Depew, wo man halt aussteigt, wenn man mit dem Lake Shore Limited aus Chicago kommt — ein Bahnsteig ohne Überdachung mitten im Nichts. In der Stadt gibt’s die noch kleinere Buffalo-Exchange Street Station, dort fahren aber nur zwei andere Linien Richtung Kanada auf einem einzelnen traurigen Gleis. In großzügig bemessenen Intervallen klappert ein Bus Richtung City. Der fährt immerhin schön durchs Industrierandgebiet und ziemlich abgerockte Wohnviertel, so dass man sich während der Fahrt schonmal an den Anblick von vernagelten Fenstern verlassener Gebäude gewöhnen kann. Die Trostlosigkeit steigert sich immer weiter, bis zur vollkommen verwaisten Main Street von Buffalo, wo auf einem Kilometer kein Geschäft mehr existiert. Eine kostenlose Straßenbahn, bepflanzte Blumenkästen und ein paar Herumirrende mit viel Tagesfreizeit und Plastiktüten, das ist schon alles.





Innenstadt kaputt, was nun? Aktuell ist geplant, Autos in die Fußgängerzone zurückzuholen, damit nicht nur leere Straßenbahnen auf der Main Street unterwegs sind. Wobei hinter den Läden, in der Parallelstraße, jede Menge Parkmöglichkeiten sind. Also man kommt auch jetzt mit einem Auto zu den leerstehenden Geschäften. Das ist überhaupt sehr verstörend, dass da kaum jemand auf der Straße unterwegs ist. Morgens, Mittags, Abends. Ich dachte erst, es liegt an Ferien oder sowas — aber nein, ist halt so. Ein paar Blocks weiter gibt’s ein lebendiges Viertel mit vielen kleinen Geschäften und Restaurants, unten am Wasser wird ein ganzes Viertel umgebaut und entwickelt, da könnte was gehen, schicke Verkaufsflächen, Blick auf den See. In der Main Street hingegen mittelgroße abgerockte Läden mit Blick auf pressholzplattenvernagelte Fenster gegenüber. Das wird so schnell nicht mehr.

Früher war alles besser: Das über 100 Meter hohe Art-Déco-Protzrathaus erinnert an Zeiten, in denen Buffalo wichtiger Handelsknotenpunkt war und die Stahlindustrie noch funktionierte. Das liegt einige Jahrzehnte zurück, seitdem sind ein Drittel der ursprünglichen Bewohner weggezogen und es gibt, nun ja, diverse Immobilien in ehemals bester Lage zu attraktiven Preisen.
Monkey Puzzle in Hamburg



Ich habe heute ein Fossil besucht: Den Monkey Puzzle im Jenischpark. Araucaria araucana ist eine der ältesten Baumfamilien der Welt, je nach Quelle gab es sie schon vor 90 oder sogar 180 Millionen Jahren. Die Bäume werden über tausend Jahre und auch schon Mal doppelt so alt und sind in den Anden zu Hause, in Südchile und Patagonien. Weil das Holz gut zu bearbeiten ist, wird der Affenschwanzbaum gerne — auch illegal — gefällt. Er wird deshalb auf der Roten Liste als “gefährdet” geführt. In Europa wachsen Monkey Puzzles seit etwa Mitte des 18. Jahrhunderts zur Belustigung in Parks.
"The new rules of news"
Mehr Vorstellungskraft und weniger Faulheit fordert der amerikanische Medienexperte Dan Gillmor von Journalisten. Auf guardian.co.uk stellt er seine 22 Ideen für einen neuen Journalismus vor, “The new rules of news”. Endlich ein richtiges Manifest, nachdem das Wort hierzulande gerade über einer Liste mit 17 mehr oder weniger umstrittenen Gewissheiten zum Journalismus im Internetzeitalter stand. Hier Gillmors Forderungen in knapper (!) Übersetzung:
1. Wir verzichten bis auf wenige Ausnahmen auf Jahrestags- und Jubiläumsgeschichten. Sie sind Rückzugsort für faule, unkreative Journalisten.
2. Wir laden unsere Leser ein, an unseren Geschichten mitzuarbeiten. Das kann über Crowdsourcing, Blogs, Wikis und viele andere Techniken geschehen. Wir machen klar, dass wir nicht bloß andere für uns arbeiten lassen wollen und werden einen Mechanismus finden, Mitarbeit mit mehr als einem symbolischen Schulterklopfen zu belohnen.
3. Transparenz wird ein Kernelement unserer Berichterstattung. Zum Beispiel werden Artikel mit Hinweisen versehen, welche Fragen nicht beantwortet werden konnten. Die Leser werden eingeladen, zur Beantwortung der Fragen beizutragen.
4. Wir bieten unseren Lesern an, Korrekturen zu unseren Artikeln extra als Meldungen zu abonnieren. Wahlweise alle Verbesserungen oder nur grobe Schnitzer.
5. Der Austausch mit und zwischen unseren Lesern wird ein wichtiger Bestandteil unserer Arbeit.
6. Wir verzichten auf das bloße Verkünden von Stellungnahmen. Und wenn Teilnehmer einer Debatte mit falsche Aussagen arbeiten, weisen wir darauf hin.
7. Wir übersetzen PR-Sprache in präzise Worte. Wenn ein Interviewpartner Sprache falsch benutzt, verzichten wir auf ein direktes Zitat und nutzen indirekte Rede. (Beispiel: Diebstahl ist die falsche Bezeichnung für das, was Nutzer von Tauschbörsen im Internet machen.)
8. Wir setzen aus Überzeugung Links — auf relevante Seiten, Quellen und andere journalistische Angebote.
9. Wir bieten frei zugängliche Archive an und stellen Schnittstellen (APIs) bereit, damit andere unsere Berichterstattung für Zwecke nützen können, an die wir nicht gedacht haben.
10. Wir helfen unseren Lesern, informierte Mediennutzer zu sein, nicht bloß Konsumenten.
11. Wir publizieren keine “Die zehn …”-Listen. Siehe Punkt 1.
12. Bis auf wenige Ausnahmen verzichten wir auf direkte oder indirekte Zitate von anonymen Quellen. Ausnahmen müssen von der Quelle ausreichend (zum Beispiel mit einer Gefahr für Leib und Leben) begründet werden, die Begründung ist Teil der Berichterstattung.
13. Werden wir von einer anonymen Quelle wissentlich belogen, machen wir die Quelle öffentlich.
14. Leitartikel und Kommentare verzichten auf “muss”-Sätze (wie “Die Kanzlerin muss jetzt …”). “Muss” ist ein hohles Verb, das Machtlosigkeit demonstriert.
15. Wir weisen regelmäßig auf die Arbeit unserer Mitbewerber hin, inklusive Bloggern, die eine bestimmte Nische bearbeiten.
16. Darüber hinaus weisen wir auf wichtige Geschichten extra hin. Faustregel: Wenn wir uns ärgern, eine gute Geschichte nicht selbst gebracht zu haben, berichten wir über die Geschichte.
17. Je wichtiger wir ein Thema für unsere Zielgruppe erachten, desto hartnäckiger bleiben wir am Ball. Wenn wir zu dem Schluss kommen, dass eine bestimmte Regelung oder Praxis gefährlich ist, versuchen wir, die öffentliche Meinung zu beeinflussen. Das bedeutet, dass man laut und deutlich vor der Immobilienblase gewarnt hätte.
18. Für jedes Thema und jede Person, über die regelmäßig berichtet wird, stellen wir einen Hintergrundartikel bereit. Dieser soll Lesern ohne Vorkenntnisse in den Kontext aktueller Berichterstattung einführen.
19. Wir weisen Leser auf Möglichkeiten hin, wie sie auf die Themen unserer Berichterstattung reagieren können.
20. Wir tun unser Möglichstes, um verdeckte Interessen zu benennen.
21. Wir schätzen Risiken ehrlich ein und verzichten darauf, aus tragischen Einzelfällen ohne statistische Absicherung ein weit verbreitetes Phänomen zu machen (“immer mehr …”). Das verunsichert die Allgemeinheit und Gesetzgeber sehen sich unter Umständen gezwungen, auf irreale, von Medien gefütterte Ängste zu reagieren.
22. Es werden keine Leitartikel von wichtigen Politikern und Firmenführern veröffentlicht, solange sie den Text nicht tatsächlich selber geschrieben haben.
Der Originalartikel von Dan Gillmor steht unter einer Creative-Commons-Lizenz. Diese verkürzte Übersetzung dementsprechend auch.
"Dummy" genügt sich selbst
Die aktuelle Ausgabe der “Dummy” hat das richtige Thema zur richtigen Zeit. Gerade hat Schwarz-Gelb die Wahl gewonnen, gehen die Aktien von Atomkraftwerk-betreibenden Energiekonzernen durch die Decke, da widmet sich das Berliner Magazin dem Thema “Atom”. Nur soll das bloß keiner merken. Jedenfalls nicht der durchschnittliche Besucher eines Zeitschriftenladens, der durchaus auf das Heft stoßen könnte. Ein unterkühltes Cover versteckt den explosiven Inhalt. Zu sehen ist ein Bild von einer Katastrophenübung, der Titel “Atom” duckt sich in Schriftgröße 8 in der linken oberen Ecke. “Dummy”-Fans und Design-Enthusiasten werden das Heft schon finden. Um alle anderen bemüht man sich erst gar nicht. Das ist die elitäre “Dummy”-Haltung, die was von FDP hat: die eigene Klientel glücklich machen, alle anderen hin und wieder plakativ schocken. Wie schade! Und was für eine verschenkte Chance!
Zum Inhalt: Mit Ausnahme einer Modestrecke aus Gorleben, die sich weitgehend auf Plastikjacken beschränkt und damit dem modischen Schaulaufen der Protestbewegung nicht annähernd gerecht wird — ein bisschen wie das Cover, das deutet ja auch nur höchst vage an — gibt’s dann eine Reihe ausführlicher, lesenswerter Texte, die den Atom-Wahnsinn schön auffächern. Allen voran die “kurze Geschichte” des Atommüllendlagers Asse II von Hubert Mania, “Die weißen Sümpfe von Wittmar”, mit Fotos von Dawin Meckel. Die ist mit der nötigen Portion Aufregung geschrieben und verweigert sich einfachen Antworten, eine schöne Gruselgeschichte für Abendstunden, in denen der Herbst die Fenster von außen benetzt.
Innen setzt sich die unterkühlte Gestaltung des Covers fort. Das Heft sieht in seiner strengen Schlichtheit aus wie eine Mischung aus “032c” (Art Director Mike Meiré) und “Humanglobaler Zufall” (Bureau Mirko Borsche), also zeitgemäß und preisverdächtig. Für das Layout zeichnet Ernst Bettler verantwortlich und damit niemand: Es ist ein Pseudonym, Bettler so etwas wie der Jakob Maria Mierscheid der Designer.
Nur dass Mierscheid mit Witz und Anarchie den Politik-Journalismus bereichert hat. Bettler hingegen hat die “Dummy” schockgefrostet.
Es kommt so oder so

Wählen gehen — auch im postdemokratischen Zeitalter* immer noch wichtig.
* Bidde? Formal sind die demokratischen Institutionen noch intakt, doch Politikverdrossenheit, Sozialabbau und Privatisierung höhlen die ganze Geschichte von innen aus: Diese Misere nennt Politikwissenschaftler Colin Crouch “Postdemokratie”. Obama ist die Antithese, ein langweiliger Kuschelwahlkampf und ein paar Flashmobs sicher nicht.
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