Kulturgeschichte „Nerd Attack!“: Von Rollenspielern und Raubkopierern

Opa erzählt vom Krieg von den Achtzigern: In seinem Buch „Nerd Attack!“ zieht Christian Stöcker eine Linie von Rollenspiel-Nerds in der deutschen Provinz, Disketten voller kopierter Games und den ersten Hackern bis hin zum Internet. So will er den digitalen Graben ein Stück weit zuschütten.

Christian Stöcker: Nerd Attack!

Mein direkter Vorgesetzter hat ein Buch geschrieben, und wenn ich jetzt sage, dass es rundherum gelungen ist, dann stimmt das schon — wäre ja sonst zu offensichtlich. „Nerd Attack!“ beschreibt die Szene, die in den achtziger Jahren mit ihren C64-Rechnern die Grundsteine für das Internet von heute gelegt hat, und wie sie mit der Zeit immer mehr in den Mainstream vorgedrungen ist.

„Die Cracker-Szene rund um den meistverkauften Computer aller Zeiten war die erste internationale Techno-Subkultur, ein komplexes, dezentrales, hocheffizientes System, geformt und unterhalten von weitgehend mittellosen Teenagern. Diese nahmen erstaunlich viel von dem vorweg, was das Internet später in den Mainstream brachte. Sie schufen Begriffe, Kategorien und Zeichensysteme, die noch heute in Gebrauch sind — auch wenn kaum jemand ihren Ursprung kennt.“

„Nerd Attack!“ fasst 30 Jahre Nerd-Geschichte kompakt und pointiert zusammen, Killerspiel-Diskussion, Copyright-Kämpfe und Internet-ängstliche Politiker inklusive. Wer der Generation C64 angehört, kann mit „Nerd Attack“ in Erinnerungen schwelgen. Und wer schon nicht mehr dazugehört, so wie ich, versteht das Netz und seine Entwicklung besser als vorher.

Hauptsächlich aber richtet sich das Buch an die etwas Älteren, die noch nicht mit Computern und Internet groß geworden sind und dem Fortschritt zum Teil, nun ja, nicht ganz so freudig erregt begegnen wie der Autor. Es richtet sich an unsere Eltern und all die Uhls und Kauders, auf dass sie besser verstehen, was es mit diesem Internet so auf sich hat, warum es prinzipiell eine gute Sache ist, mit mehr Vor- als Nachteilen.

Ob es „Nerd Attack!“ letztlich gelingt, den digitalen Graben zu überbrücken, wird davon abhängen, wie viele Internet-Ausdrucker das Buch erreicht. Die Hand ist jedenfalls ausgestreckt, die Voraussetzungen — „Nerd Attack!“ gibt es nicht nur für den Kindle, sondern auch auf totem Baum — könnten besser nicht sein. Allein der Titel klingt ein wenig sehr angriffslustig, wo doch die Nerds die Guten sind und das Netz zur Abwechslung mal nicht zum Untergang jeglicher zivilisatorischer Errungenschaften führt.

Wegen der Opa-Beleidung bekomme ich am Montag sehr wahrscheinlich Strafarbeit. Was man für einen müden Scherz nicht alles in Kauf nimmt!