Das Papier super, die Bilder zu dunkel, die Inhalte ganz okay, Glückwunsch an die Redaktion — und doch muss ich noch etwas zur deutschen “Wired” loswerden. Gleich mehrfach sehen Werbeanzeigen so aus wie der eigentliche Inhalt des Hefts. Muss das so jetzt so sein?

Zum ersten Mal richtig aufgefallen ist mir das vor einigen Jahren bei der “Monocle”, wo solch ein Unsinn auch hingehört. Über einigen Seiten, die sich mit weiteren Lobeshymnen nur nahtlos an die Business-Class-Bespaßung anschließen, ist dort zu lesen:

Firma × Monocle

Das bedeutet dann: bezahlt, sieht aber absichtlich so aus, als käme es von der Redaktion. Firma und Produkt finden wir okay, dieser Eindruck entsteht. Bei der deutschen “Wired” sieht das ganz ähnlich aus, hier heißt es:

Wired × Promotion

Natürlich sind diese Anzeigen als solche gekennzeichnet. Nur fällt das kaum auf, wenn die Seiten mit Grafiken vollgepflastert sind und eben so aussehen wie redaktionelle Artikel. Als es mir dann doch auffiell, war meine Reaktion umso heftiger. So in Richtung: Türlich, türlich, sicher Dicker. Das könnte man als Reflex eines Medienschaffenden abtun. Ich glaube aber, dass es vielen Lesern ähnlich geht — und dass man sich damit keinen Gefallen tut, weder als Unternehmen, noch als Verlag. Als Redaktion sowieso nicht.

Noch mehr reaktionäre und erzkonservative Spießer gegen die zeitgemäße Werbeform “Advertorial”: Felix Schwenzel schreibt von “Rentnerfallen”, und dass entweder Leserverwirrung Prinzip sei oder Artdirector Markus Rindermann ein Faible für aktuelle Werbetrends habe. Stefan Winterbauer auf Meedia: “Richtig sauer aufgestoßen bei der Lektüre des deutschen Wired sind die zahlreichen, als Wired-Artikel und -Rubriken aufgemachten Promotion-Anzeigen.” Christian Stöcker auf Spiegel Online: “Kaum vom redaktionellen Inhalt zu unterscheidende vierseitige Autowerbung.” Rupert Sommer auf kress.de: “Die größte Herausforderung an Leser (…) ist es jedoch, die Tücken der Gestaltung im Hinterkopf zu bewahren: Die blass gedruckte Rubrizierung “Wired Promotion” setzt etwa eine vierseitige redaktionelle Anzeige, die sich wie ein Testbericht über BMW-Zukunftskonzepte liest, vom restlichen Heft ab.”

Konzilianter ist da schon Dominik Schottner, der in der “taz” von einem etwas aggressiven Product Placement schreibt. “Das aber, das muss man mit Blick auf den eigenen Technofuhrpark zugeben, ein wohl nicht wegzudiskutierender Teil des digitalen Lebens ist.” Die Pixel-Taz mit Verständnis für aggressive Werbung, die Welt kann so schön sein.