Blake Crouch: Dark Matter

Worum geht’s? Was hätte aus Jason Dessen nicht alles werden können – der berühmteste Physiker der Welt! Aber er hat sich lieber für eine Familie entschieden und unterrichtet mehr oder weniger begeisterte Studenten. Eigentlich ist er damit ganz zufrieden, auch wenn es an ihm etwas nagt, dass sein weniger begabter Kollege in der akademischen Welt abräumt. Eines Tages wird Jason brutal entführt, in eine andere Version der Geschichte, in der er der Physik-Star ist, dafür aber auf Familie verzichtet hat. Wie ihm seine große Liebe fehlt!

Entführt hat ihn der eigentliche Physik-Star, Jason2, der ein Portal erfunden hat, mit dem man zwischen Realitäten wechseln kann. Weil er als einsamer Physiker unglücklich ist, tauscht er sein Leben mit Jason. Der natürlich, als er einmal dahinter gekommen ist, alles daran setzt, zu seiner Familie zurückzukehren.

Worum geht’s wirklich? Eine Einführung in die Multiverse-Theorie und die damit verbundenen ethischen Fragen. „Dark Matter“ geht davon aus, dass jede Entscheidung zu einer neuen Verästelung führt, mit jeder Entscheidung gibt es eine weitere Realität. Das Springen zwischen den unendlich vielen Universen ist wie eine Mischung aus „Stranger Things“ und „Interstellar“.

Wobei „Dark Matter“ auch keine neuen Antworten auf die Auswirkungen einer solchen Erfindung hat, nur die Gewissheit: Wenn wir einmal damit anfangen, zwischen Realitäten zu springen und uns selbst zu treffen, bricht großes Chaos aus. Weil Menschen mit Multiverse-Konzepten grotesk überfordert sind, endet alles in mieser Gewalt.

Lohnt sich das? Ich mochte die schnelle, direkte Sprache. Die Multiverse-Theorie dient natürlich auch als Hintergrund, die Hauptfigur Jason über Entscheidungen und sein Leben reflektieren zu lassen. Was daraus folgt, ist schön und natürlich ein bisschen kitschig. Macht aber nichts. Wo sich Neil Stephenson in „Seveneves“ in Details verliert, gibt’s hier vor allem Action.

Seltsam fern blieben mir Ausflüge in Universen, in denen der technische Fortschritt viel weiter ist – vielleicht hätte es da doch ein paar Adjektive mehr gebraucht. Und gegen Ende passiert mit jedem Satz so viel, dass ich nicht glauben kann, dass der eigentlich recht überlegte Jason nicht einmal mehr inne hält und sich fragt: What the fuck?!

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