Carolin Emcke: Gegen den Hass

Worum geht’s? Warum soll sich jemand schämen, Gutmensch oder Bahnhofsklatscher zu sein? Warum ist es angesagt, den dumpfen Hass von „besorgten Bürgern“ ernst zu nehmen? Carolin Emcke beschreibt, welche Voraussetzungen Hass braucht und was dagegen hilft: ein mächtiges Plädoyer für mehr Offenheit und Vielfalt.

Sie beschreibt die Jagdszene von Clausnitz und die Rückkehr von Ressentiments in politische Debatten, den Tod von Eric Gardner und institutionellen Rassismus, die rechtliche Gängelung von Transmenschen und unser Verständnis von Grundrechten. Außerdem die Ideologie des IS. Zusammen ergibt sich die Notwendigkeit zu maximaler Differenzierung und zur Genauigkeit – und zu einer Demokratie, deren vorderste Aufgabe es ist, den Einzelnen zu schützen, damit er frei ist, gemeinsam mit anderen zu handeln.

In Kritiken zu dem Buch ist von „moralischer Selbstvergewisserung“ zu lesen, von Selbstverständlichkeiten. Ich kann das nachvollziehen und daran nichts finden: In einer verrückten Zeit, in der vermeintliche Standards eingerissen werden, von der AfD, von Trump und so weiter, ist „Gegen den Hass“ genau das Buch, das wir brauchen.

Angestrichen

„Ich halte es für keinen zivilisatorischen Zugewinn, wenn ungebremst gebrüllt, beleidigt und verletzt werden darf. Ich halte es für keinen Fortschritt, wenn jede innere Schäbigkeit nach außen gekehrt werden darf, weil angeblich neuerdings dieser Exhibitionismus des Ressentiments von öffentlicher oder sogar politischer Relevanz sein soll.“

„Als seien Sorgen an sich schon ein triftiges Argument in einem öffentlichen Diskurs – und nicht bloß Affekt.“

„Weil als Sorge ausgegeben wird, was gleichwohl Abscheu, Ressentiments und Missachtung birgt, verrückt es die Schwelle des Akzeptablen.“

„die Zulieferer des Hasses und die Profiteure der Angst“

„die populistische Aufwertung von Affekten zu politischen Argumenten, die rhetorischen Tarnkappen ‚Angst‘ und ‚Sorge‘, die den bloßen Rassismus verdecken“

„Ein Schweinchen als Gallionsfigur des Abendlandes? Darauf schrumpft die kulturell-ideologische Ambition zusammen?“

Gibt es eine Ausrede, das Buch nicht zu lesen? Nein.

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