Apple-Aktionär Richard Gutjahr deckt Verschwörung auf

Richard Gutjahr ist einem ganz, ganz großen Skandal auf der Spur. Es geht um nichts weniger als die Wahrheit. Er allein bringt den Mut dafür auf. Andere Journalisten kuschen aus nackter Angst und vergessen die Grundsätze ihres Berufs. Oder nicht?

Es geht um Apple. Richard Gutjahr schreibt, dass er Aktien des Konzerns besitzt und man ihn als „Fanboy“ bezeichnen kann. Dass er Steve Jobs und die Firma bewundert, weil sie Welt enorm bereichert hätten. Und er setzt an zur großen Enthüllung:

„Zur Wahrheit gehört aber auch, dass ich inzwischen auch die andere Seite des Konzerns kenne. Eine Seite, die wir Journalisten bewusst verschweigen, was an sich schon äußerst denkwürdig ist.“

Gutjahr beschreibt, wie Apple die Einführung neuer Produkte inszeniert und dabei mit Journalisten umgeht. Das Problem an Gutjahrs reißerisch verpackter Story: Das ist alles bekannt. „Wir Journalisten“ schweigen nämlich gar nicht.

Nehmen wir zum Beispiel die Kollegen der „Computerbild“, die kürzlich ein neues iPhone verbogen haben und nun offenbar nicht mehr zu Apple-Veranstaltungen eingeladen werden sollen. Sie haben das öffentlich gemacht, viele Medien haben darüber berichtet. Oder wie wäre es mit diesem Interview auf „Spiegel Online“, in dem der wohl berühmteste Apple-Blogger John Gruber über die Spielchen des Konzerns Auskunft gibt? Auch ein Blick in den wirklich ausführlichen Report „Understanding Apple’s Mastery of the Media“ gibt Einblicke. Erschienen ist er auf „9to5Mac“, einer der größten Apple-Seiten überhaupt.

Es gibt noch mehr Artikel, die sich mit Apples PR-Strategie kritisch auseinandersetzen. Aber das darf Richard Gutjahr, den Apple-Fanboy, nicht stören. Nein, er braucht das verallgemeinernde „wir Journalisten“ für seinen Artikel, und er muss uns alle schweigen lassen. Damit Richard Gutjahr, der einzig wahre Krautjournalist, der allererste in der Apple-Schlange, die betrogenen Leser endlich erleuchten kann. Oder um es mit Felix Schwenzel zu sagen: „Richard Gutjahr macht einen auf Udo Ulfkotte“.

Zum Thema Apple-Aktien noch Henning Steier von der NZZ: „Als ich für eine Wirtschaftszeitung arbeitete, stand in unseren Verträgen, dass wir nicht über Unternehmen berichten dürfen, an denen wir beteiligt sind.“