13 Notizen von der „South by Southwest“ 2019

Ich war auf der „South by“ in Austin und habe darüber geschrieben, wie dort Politiker mit Regulierungsanspruch wie Elizabeth Warren oder Alexandria Ocasio-Cortez den visionären Silicon-Valley-Mackern Elon Musik oder Jeff Bezos den Rang ablaufen: „Der Silicon Dream ist aus“, erschienen auf Spiegel Online. Außerdem interessant:

1. Künstliche Intelligenz und unser blinder Fleck: KI begegnet uns überall im Alltag – aber in Hollywood geht es immer noch um selbstbewusste Humanoiden mit mehr oder weniger guten Absichten. „Nur die Hälfte dessen, worüber sich Forscher Gedanken machen, kommt in Filmen und Serien überhaupt vor“ sagt Christopher Noessel, der bei IBM an Watson arbeitet. Er hat 147 fiktive Stoffe und 68 Manifeste und Papiere von Forschern und Firmen verglichen. Die Nachvollziehbarkeit von KI-Entscheidungen sowie Gesetze und Normen sind eher kein Thema für Hollywood. „Untold A.I.“ nennt Noessel das. Das hat Auswirkungen auf die öffentliche Debatte. Die Forscher hingegen befassen sich erschreckend wenig mit dem Verbot autonomer Killermaschinen. (Spiegel Online)

2. Wir machen die Werbung gleicht mit: Ob Bloomberg, Gimlet, BuzzFeed oder Group Nine, Medienfirmen haben Einheiten geschaffen, die passende Werbung für Kunden produzieren. So können aus Experimenten auf neuen Plattformen wie TikTok oder Podcasts schneller Geschäftsmodelle werden, man muss nicht auf die Mediaagenturen warten. Hier ändert sich ein altes Modell grundlegend, die Mittelsleute kommen nicht mehr vor. Das Brand Studio von Gimlet kann zum Beispiel Podcast-Werbung produzieren oder ganze Podcasts im Auftrag von Kunden starten.

3. In welcher Zukunft wollen wir leben? Die oft dumpfe Serie „Black Mirror“ zeigt, wie die sehr nahe Zukunft aussehen könnte, wenn wir nicht aufpassen und Silicon Valley einfach machen lassen. Mick Champayne und Casey Hudetz von Digitas haben anhand der Serie das Konzept Speculative Design erklärt und jede Menge Beispiele gesammelt, in denen Künstler sich in Trendthemen wie Medizin, Biotech, autonomes Fahren, Klimawandel reinarbeiten und „Black Mirror“ spielen. Mein Highlight der Konferenz. Bevor man Stunden in die Serie steckt, lieber die Arbeiten hier durchsehen.

4. Podcast-Werbung: Spotify und dessen Neu-Akquisitionen Gimlet und Anchor sehen noch jede Menge Wachstum bei der Podcast-Vermarktung. Schließlich würden 90 Millionen Amerikaner bereits Podcasts hören, ein jährliches Wachstum von über 20 Prozent. Dawn Ostroff, Content-Chefin von Spotify, vergleicht: Wenn man die „Vogue“ öffnet, gehören Anzeigen zum Erlebnis dazu. Gimlet-Gründer Matthew Lieber führt ein Durchschnittsalter von 30 Jahren an – eine Zielgruppe, die ausgestattet mit AdBlocker, Netflix und Spotify jenseits von Podcasts kaum Werbung wahrnehme. Passende Werbung erstellt Gimlet mit Gimlet Studio gleich selbst, berät Firmen bei ihrem Audioauftritt. Anchor funktioniert als Werbe-Marktplatz, vermittelt auch kleinen Podcasts passende Werbung.

5. Podcast-Wachstum: Auch inhaltlich ist noch Luft: Sport, Comedy, Crime würden funktionieren, sagt Ostroff, es gebe jede Menge weitere unerforschte Genres. Gimlet nennt drei Erfolgsfaktoren von Podcasts: (1) Hörerinnen und Hörer erleben etwas mit, (2) bekommen etwas beigebracht oder (3) finden freundschaftliche Begleitung im Alltag. Stolz ist Matt Lieber auf einen Zahnputz-Skill bei Alexa namens Chomper, jeden Tag eine neue kleine Geschichte mit Bürsten-Countdown.

6. Deepfakes kommen: Video- und Audioaufnahmen, die mit Hilfe von künstlicher Intelligenz gefaked sind, lassen sich eigentlich noch einigermaßen gut erkennen. Matthew Stamm von der Drexel University forscht daran, auch mit Militärbudget. Aus Tonspuren lassen sich etwa Schwingungen des Stromnetzes rausrechnen, in Videos erkennt künstliche Intelligenz Muster, die auf Bearbeitung hindeuten, oder den individuellen Fingerabdruck des Kamerasensors. Aber wenn dann ein Video durch die Kompression von Facebook oder WhatsApp läuft, vielleicht sogar mehrfach, verschwinden diese Artefakte. Es gebe einfachere Methoden zur Meinungsmache als Deep Fakes: Einfach Videos kürzen und in einen neuen Kontext stellen. Poynter-Vizechefin Kelly McBride weist darauf hin, dass oft schon eine kritische Masse an Menschen erreicht sei, 20 oder 40 Prozent, die ohnehin nur noch das glauben wollen, was ihre Weltsicht stützt. Stamm: „We will not solve this by tech alone.“

7. BuzzFeed will Facebook-Geld: Früher hat sich BuzzFeed auf der “South by” als virales Powerhaus gefeiert. Jetzt spricht Jonah Peretti von der Medienkrise, einer zunehmend gespaltenen Gesellschaft und warnt vor Impfgegnern, Trollen und Fake News. Er warb erneut für starke Partnerschaften zwischen Medien und vor allem mit Plattformen. Seine Idee: Facebook braucht gute Inhalte und hat viel Geld, BuzzFeed hat gute Inhalte und möchte Geld verdienen. Das gute Zeug verdrängt den schwer zu regulierenden Dreck. (Eines seiner Beispiele: Kelsey Impicciche will bei “The Sims” Kinder mit 100 anderen Sims zeugen.) Inspirational quote: „Spread joy and truth, it’s what the internet needs right now.“

8. Neue Geschäftsideen von BuzzFeed: (1) BuzzFeed veröffentlicht Shopping-Listen mit Affiliate-Links, hat dazu seit einiger Zeit einen “Wirecutter”-Klon namens Reviews. Die Listen sind so erfolgreich, dass sie unter den Top 5 der Traffic-Lieferanten für Amazon sind und Unternehmen Einträge auf ihren Listen verkaufen. (2) BuzzFeed-Mitarbeiter werden Marken als Influencer angeboten, die dann auf den BuzzFeed-Kanälen und -Formaten ihren Branded Content ausspielen (mehr dazu bei MediaKix).

9. Native Video auf Social ist nicht tot: Group Nine Media, die Firma hinter „The Dodo“ (lustige Tiervideos), „NowThis“ (bewegende News), „Thrillist“ (Lifestyle) und „Seeker“ (Tech), macht weiter und feiert drei Milliarden Videoabrufe monatlich, darunter das erfolgreichste Politik-Video auf Facebook ever.

Im vergangenen Jahr ist ein NowThis-Video von Beto O’Rourke viral gegangen. Group Nine hat Investoren im Rücken, darunter Springer. Nennt den Fokus auf Social risky, aber da seien nun mal die Nutzer. Analysiert Daten, um passenden Content je Plattform zu platzieren. Startet auf TikTok und IGTV, erstmal ohne Monetarisierung, kein großes Risiko, Publikum aufbauen. Wenn das klappt, schafft das eigene Branded Content Studio zusammen mit Marken passende Werbung. Pitch von Christa Carone an die Werbekunden: Mit uns und maximaler brand safety alle Millennials auf allen Plattformen erreichen.

10. Instagram und die Plattform-Verantwortung: Die Tourismus-Branche hat ein Problem – und es ist ausnahmsweise nicht AirBnB. Da findet außerdem mittlerweile Regulierung statt. Nein, es geht um Instagram. In Verbindung mit günstigen Flugtickets werden Fotos von Reise-Influencern zum Problem, wenn tausende plötzlich vor der niedlichen Bretterbude auf einer einsamen Insel stehen, in der immer noch jemand wohnt. Oder Menschen die Natur rund um Trolltunga in Norwegen zertrampeln. Instagram kümmert sich nicht darum, Influencer loben aber die kostenlosen Snacks im Instagram-Office in New York. Amsterdam hat seine Social-Media-Aktivitäten praktisch eingestellt, schickt Besucher in umliegende Städte oder zu Randzeiten in sonst überlaufene Museen.

11. Trend-Geschäft: Wer diesen Beitrag bis hierhin gelesen hat, bekommt ein echtes Geschenk. Amy Webb erstellt jedes Jahr eine umfassende Präsentation, den Emerging Tech Trend Report, dieses Jahr ein 380-Seiten-PDF, mit allen möglichen Trends, inklusive Einordnung, welche Branchen wovon nun betroffen sind. Super zum Buzzword-Check und zur Übersicht. Sie verdient dann an Talks und Beratungen. Rohit Bhargava macht das sehr ähnlich, verkauft jedes Jahr ein Trend-Buch. Auf der „South by“ hat er sieben Trends rausgegriffen und erklärt, hier sind seine Slides.

12. Elektroscooter funktionieren in den USA, aber werden es in Deutschland schwer haben. Dabei geht es gar nicht mal um die Regulierung: (1) Städte wie Austin haben nicht ansatzweise einen so funktionierenden Nahverkehr, wie er in vielen europäischen Städten üblich ist. (2) Amerikanische Innenstädte haben meist weite, übersichtliche Straßen, auf denen sich gut scootern lässt. (3) Autofahrer sind entspannter und fahren langsamer. In einer Stadt wie Hamburg werden rasende Autofahrer die Scooternutzer von der engen Straße mobben, die Dinger lassen sich kaum irgendwo abstellen und eigentlich fahren Bus und U-Bahn die letzte Meile ganz gut. Lime, Bird, Uber, Spin und so weiter werden es schwer haben.

13. Austin ist ein neues Silicon Valley: Die Stadt ist lebenswert, immer noch günstiger als San Francisco – und boomt. Apple, Goolge und andere Techfirmen haben tausende Jobs geschaffen, ganze Stadtviertel entstehen neu, die Metropolregion hat sich in fünf Jahren auf zwei Millionen Einwohner verdoppelt. Austin wächst mehr als alle anderen Städte. Nun wehren sich die ersten gegen steigende Mieten, Verkehrskollaps und noch mehr Wachstum. Über der “South by” flog ein Kleinflugzeug mit dem Banner: „Don’t move here“. (Bloomberg)

(Bonus-Notiz: Kemuri Tatsu-Ya im Osten der Stadt macht hervorragenden Brisket-Ramen.)

(Bonus-Notiz 2: Unbedingt immer in ein Konzert von Dale „I lie when I drink, and I drink a lot“ Watson gehen und mit Texanern Lone Star trinken.)

The rise of vertical storytelling

In 2019, horizontal scrollytelling will feel stale and old. Vertical Storys will be all the rage.

The multimedia story that became a verb and whose name doesn’t need to be mentioned here is now six years old. The snow fell in December 2012. Since then, digital storytelling has changed radically — but that’s not because of the editors who invested in scrollytelling and offered opulent multimedia stories. They now also work on mobile phones, but still far too often with horizontally aligned images and videos — the format of YouTube, televisions, and desktop computers. Far too often, these stories feel strange on a mobile device.

The next step in storytelling has already been taken by mobile apps and platforms, most notably Snapchat and Instagram. Its most important feature: vertical videos. Facebook’s square videos were an intermediate step, often quite easy to produce: Just cut something off from the horizontal source material on the left and right, that’s all. With vertical videos, it’s usually not that easy. But it’s not just about video — it’s about storytelling on mobile devices — about text, pictures, sound, and yes, video.

Vertical storytelling is really different from our often very long and very conventional multimedia stories. In 2019, horizontal scrollytelling will feel stale and old. Vertical Storys will be all the rage.

Companies like PlayBuzz and Opinary would like to offer their own tools to publishers, bringing technical expertise and a means of monetarization through advertisements. Publishers might very well want to start experimenting with vertical storys that way — but to be serious about vertical storytelling means to get the means of production in your own hands.

Enter Google: The company has developed a story component for its semi-open standard AMP. Google could help publishers bring the vertical story format onto their own platforms, detached from proprietary apps. The advantages: fast loading times and possibly more traffic from Google search.

Google’s motivations are clear — the company is building its advertising business on the open web. The company has already adjusted its advertising and measurement tools for vertical marketing. All that remains is the question of whether publishers will get involved with AMP stories — in the hope of taking a few SEO clicks with them — or whether they go their own way to bring vertical storytelling to their platforms.

Zuerst auf niemanlab.org erschienen

Alles für die Klicks?! Hinter den Kulissen von bento

Julia Rieke und ich haben auf der Media Convention über bento erzählt — natürlich in Form eines Quizzes.

Wir haben berichtet von politischen Klick-Bestsellern, von Praktikanten auf Porno-Recherche, Videos auf Facebook und was wir mit bento eigentlich vorhaben.

Es ging auch um die Frauenquote: Bei uns in der Redaktion liegt sie bei 77 Prozent. Die Redaktionsleitung ist eine Doppelspitze, die Textchefin eine Frau, die Teamleitungen Video und Web: auch Frauen. Von den 505 Autoren, die bei uns veröffentlicht haben, sind 62 Prozent Frauen. Das Ergebnis: Automatisch tauchen in unseren Beiträgen mehr Expertinnen, Managerinnen, Forscherinnen und Politikerinnen auf.

Ein Video davon gibt es auf YouTube

Un-faking the news

Das NiemanLab der Harvard University hat mich gefragt, was 2017 für den Journalismus wichtig wird. Meine Antwort: Un-faking the news.

Much has been said and written about fake news. It all boils down to this: It’s the arch nemesis of journalism. The moment you get involved, you get infected. You draw attention to this nonsense, spreading rumors by debunking them.

So far, we’ve ignored the worst rumors, the most absurd conspiracy theories. When they went low, we stood clear. But does this work anymore? We face a dilemma: We can ignore the fake news and become part of the story. (See what they don’t tell you!) Or we can take rumors seriously, invest resources, and fact-check them. (If they deny it, it must be true!)

How do you argue with people for whom facts are negotiable? How do you reach out to people who are opposed to the principles of journalism? Because it’s not enough to warn our users about fake news: We need to reach the users who stay away from us. We need to enter the filter bubbles where conspiracy theories flourish, to understand the attraction, aesthetics, and economics of fake news, the mechanisms by which rumors spread on social media and enter search results. Then, we need to use this knowledge to disrupt the self-enforcing circle of rumors and fake news.

We need to vaccinate the public with real journalism: explaining in detail how we come to a conclusion, how facts are gathered, what should be considered a fact and why — how journalism works.

One could argue that we’re not responsible — that parents, schools, and others are to blame. While there might be some truth to that, it doesn’t help. Un-faking the news is no easy task. It doesn’t promise us a pot of gold. And we won’t convince everyone. But it’s our civic duty to try, because we can’t entrust technology companies with editorial decisions. And we certainly cannot let governments and their agencies decide what’s newsworthy and what’s not.

This task requires journalists and publishers that care deeply about democracy and freedom of speech. When fake news hits, we need to hit back, vigorously.

bento in der “Washington Post”

Ein Erfolg für bento: Wir sind noch nicht mal ein Jahr am Start, da zitiert uns die “Washington Post” zur nationalen Burka-Debatte.

Das Verbot von Burkas und die Bestrafung ihrer Trägerinnen ist dieses Jahr das Sommerloch-Thema, befeuert von CDU-Politikern und “Bild”-Zeitung. Auf den meisten Fotos zum Thema sieht man allerdings Frauen im Nikab.

Burkas sind hingegen die blauen Ganzkörperschleier aus Afghanistan, bei denen auch noch die Augen hinter einem Gitternetz verschwinden. Unser Autor Fabian Köhler beschäftigt sich schon lange mit dem Islam in Deutschland und wurde stutzig: Gibt es in Deutschland Burka-Trägerinnen?

Also hat er sich auf die Suche gemacht und herumgefragt. Bei Muslimen, Imamen, Behörden, in der afghanischen Botschaft. Das Ergebnis: Vielleicht gibt es wirklich Frauen in Deutschland, die Burka tragen. Aber wenn, dann sind es einige wenige, die öffentlich keine Rolle spielen. Die Burka in Deutschland ist ein Gespenst.

Diese bento-Recherche hat es in die “Washington Post” geschafft, wo sie in zwei Absätzen ausführlich zitiert wird.

Welche Newsletter ich wirklich noch lese

Alle verschicken jetzt Newsletter. Ich bin ohnehin viel im Internet und kriege viel über Twitter mit, habe aber trotzdem einige abonniert. Einige lese ich sogar:

NEWS

NextDraft
Dave Pell liest das Internet leer und erzählt, was gerade wichtig ist. Super strikte Form, jeden Tag zehn Einträge. Snackability: Hoch.

AJ+ Trends Report
Was bewegt Millennials? Welche #Hashtags trenden? Die Macher von AJ+ scannen das Netz und verschicken diesen Newsletter auch als Test: Welche Themen stoßen auf Interesse, wo lohnt sich Berichterstattung?Snackability: Geht, an manchen Tagen ganz schön lang. Oft sehr Amerika-lastig.

LINKS

Digg Video
Ein bisschen versteckt auf der Seite: Digg hat einen täglichen Newsletter nur für Videos. Snackability: Die Liste der empfohlenen Videos ist nicht zu lang, hat aber keine Vorschaubilder, nur Text.

Adolescence is a marketing tool
Sara Weber stellt wöchentlich tolle Podcasts vor. Snackability: Läuft, launige Einträge, gut scanbar.

Klicks
Mein eigener wöchentlicher Newsletter mit Links zu Netzwelt und Medien. Optimiert auf Lesbarkeit und Snackability. Die ist superhoch.

FURR

This Week in Cats
BuzzFeed hat natürlich einen Katzennewsletter. Er ist sehr, sehr gut. Snackability: Geht, vergleichsweise viel Text.

The Daily Flausch
Jeden Tag gute Nachrichten. Hohe Snackability, und zum Schluss noch ein GIF.

Die täglichen Daily Bits der deutschen Wired lese ich eher nicht, ich bin auf Twitter und haben das meiste Zeug schon am Vorabend gesehen. Now I Know von Dan Lewis ist liebevoll gemacht und interessant, aber ich lese das ehrlichweise kaum. Maria Popovas Brain Pickings Weekly ist cool, aber fast so ausführlich und komplex wie ein kleines Magazin. Das Social Media Watchblog macht gerade Sommerpause, ist aber Pflicht. Könnte natürlich noch früher am Morgen kommen :)

Tipps? Ergänzungen? Ich würde mich freuen! Hier oder @oler

Drei Medien-Experimente für Millennials #ijf15

newswall

Wie erreicht man mit Journalismus junge Menschen? Hier drei Beispiele vom #ijf15, dem International Journalism Festival in Perugia:

4NewsWall

Das sieht nach Snapchat aus: Die Startseite von 4NewsWall ist eine Wand aus GIFs. Dahinter verbergen sich kurze News, die oft auf Videos und News des britischen Senders Channel4 verweisen. Channel4 will mit der neuen Seite die 40 Prozent der Millennials erreichen, die sich immerhin noch ein bisschen für News interessieren, um mitreden zu können. (40 Prozent sind verloren und interessieren sich nicht mehr für News, 20 Prozent sind schon Nutzer.) Gestartet am 1. März, noch keine 500 Facebook-Fans.

3nz.it

Große Bilder und nur Überschriften, mobile first: Die italienische Gruppo L’Espresso hat für junge Nutzer die Seite 3nz.it gestartet. Auch als Experiment, um soziale Medien besser zu verstehen. Auf der neuen Seite werden auch passende Inhalte von anderen L’Espresso-Angeboten veröffentlicht — und werden dann öfter geteilt und abgerufen als auf der Originalseite. Gestartet im Oktober 2014, rund 80.000 Fans auf Facebook.

reported.ly

Noch keine Website, nur Social Media: reported.ly berichtet über aktuelle Ereignisse, vor allem auf Twitter. Entdeckt Trends, verifiziert Meldungen, folgt Themen. Andy Carvin und fünf Kollegen, die Hälfte in New York, die andere in Europa. Muss erstmal kein Geld verdienen, First Look Media zahlt ein Jahr Experiment. Pflegt 200 öffentliche Twitter-Listen mit Quellen zu Ländern und Themen. Widmet sich ausführlich dem Jemen. Hat Kontakt zu Quellen vor Ort, bekommt viele Tipps über WhatsApp, Community hilft mit Übersetzungen und Fakten. Gestartet im Dezember 2014, rund 12.000 Follower auf Twitter.

Mehr interessante Medien-Experimente und neue Projekte sammelt David Bauer: An unfinished list of ventures in journalism you should be watching (and why)

ZDF und Putin reiten den Wieselspecht

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Bild: Jörgen Camrath

Ein Wiesel will einen Specht fressen, der Specht fliegt los: Diesen Kampf hat der Brite Martin Le-May fotografiert. Am Montagabend postete er ein Bild auf Twitter. Am Dienstag ist sein Foto schon als News auf hunderten Webseiten. Parallel dazu erscheinen die ersten Mashups. Der #WeaselPecker, kombiniert mit anderen Meme-Berühmtheiten wie dem halbnackten Putin.

Jörgen Camrath bastelt den Putin-Wieselspecht in die „Tagesschau“. Ein Witz, jedenfalls noch. Vier Stunden später dann im ZDF, in der Nachrichtensendung „heute nacht“ zwischen Beiträgen über Polizei-Ausrüstung und Vulkanausbruch:

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Genau, „Huckepack-Hype“ im Internet. In dem Beitrag von Rafael Bujotzek kommt auch Martin Le-May zu Wort. Der freut sich, dass sein Foto um die Welt geht. Zum Glück, schließlich vertragen sich Urheberrecht und Meme meist überhaupt nicht. So aber kann das ZDF Mashups zeigen, inklusive Putin:

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Quelle: Fernsehen

„Jeder setzt noch einen drauf. Da machen wir Mainzelmännchen gerne mit“, heißt es weiter. Zu sehen ist ein Tweet von Bujotzek, den dieser am Abend veröffentlicht hat. Übrigens nur wenige Minuten, nachdem Jörgen Camrath sein „Tagesschau“-Bild gepostet hatte. Der Unterschied: Der eine macht einen Spaß, der andere bespaßt seinen eigenen Nachrichtenbeitrag.

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Quelle: Fernsehen

Ein Internet-Meme als Abendnachricht im ZDF. Hakan Tanriverdi und ich haben diese Entwicklung im vergangenen Jahr auf der re:publica in unserem „Wild Wild Web“-Vortrag erklärt: Meme können „wir“ Journalisten jetzt auch. Nun hat sich auch das ZDF diese Spielart der Webkultur angeeignet und hilft sogar mit Mainzelmännchen nach.

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Quelle: Fernsehen

Das Bild des halbnackten Putins, der eigentlich auf einem Pferd reitet, findet sich im Web mit Hinweis auf die russische Nachrichtenagentur Ria Novosti und wurde von Reuters und Landov verbreitet. In der Beschreibung dazu heißt es: „Putin, who was prime minister at the time, rides a horse in southern Siberia’s Tuva region on Aug. 3, 2009.“ Mashups davon gibt es mindestens seit 2012, eines davon findet sich im „New Yorker“.

Woher der Putin-Wieselspecht kommt, lässt sich übrigens auch herausfinden: Die Idee stammt von dem Autor und Journalisten Günter Hack, der auf Twitter fragt: „Hat schon jemand den halbnackten Putin auf den Wieselgrünspecht montiert?“ Der Architekturstudent Sebastian Ćlìčhé sieht diese Frage dank eines Retweets von Christopher Lauer und antwortete mit Bildern: „Ja. in mehrern Varianten sogar.“ Für die ZDF-Nachrichten war die Meme-Genese dann aber offenbar zu viel Information.

Update mit Hinweis auf den Retweet von Christopher Lauer (5.3.2015) und zur Herkunft des Oben-ohne-Putins (6.3.2015).

Zwei super Vorträge für Deine Konferenz günstig abzugeben

Auf der Suche nach Qualitätsinhalten für die nächste Medienkonferenz? Look no further! Zufällig™ gibt es hier zwei brandheiße Vorträge im Angebot, mit vielen Beispielen, konkreten Hinweisen aus der Praxis und viel Diskussionsstoff. Bei Interesse einfach Kontakt aufnehmen oder weiterempfehlen. Danke!

Zurück zur E-Mail: Warum Newsletter gerade so heiß sind (mit Jessica Binsch)

Nach Facebook-Einträgen und Push-Nachrichten sind Newsletter das nächste große Ding: mit wiederkehrenden Mailereignisse direkt in die Inbox der Leser. Seit einem Jahr explodiert das Angebot. Wir zeigen die wilde, bunte Welt der Newsletter, von literarischen Kleinoden bis hin zu personalisierten Roboter-Updates. Wir stellen unsere Typologie der Newsletter vor, zeigen jede Menge Beispiele und verraten einen dreckigen Trick.

2015 ist das Jahr des Newsletters. Kaum eine Seite, die nicht mindestens ein Abonnement anbietet. Kaum jemand, der nicht Linktipps per Mail rausschleudert. Newsletter ordnen unsere Nachrichtenflut, treten auf die Bremse, gewichten. Die Autoren werden zur persönlichen Navigationshilfe im Netz. Das freundliche Content-Marketing profitiert dabei vom Wissen der Spammer und Marketingprofis.

Längst dienen die E-Mail-Updates nicht mehr nur der Markenpflege oder der Klickgewinnung. Newsletter werden selbst zum einträglichen Geschäft: Die tägliche Nachrichtensammlung “TheSkimm” hat gerade sechs Millionen Dollar von Investoren bekommen.

Wir begeben uns auf eine Reise durch die Inbox, mit erfreulichem Ausgang. Komm, ein Abo geht noch!

Owned Media. Verlage, wir haben ein Problem

Vodafone, E-Plus und Saturn machen sich Wohlfühl-Berichterstattung über Technik einfach selbst. Das Corporate Publishing soll aussehen wie Journalismus, Reichweite bringen und Kunden binden – und konkurriert mit echten journalistischen Angeboten. Ich möchte zeigen, wie es soweit kommen konnte, warum das eine Katastrophe ist und wie wir da gemeinsam wieder rauskommen. Mit konkreten Beispielen aus Deutschland und den USA. Mit Anekdoten von PR-Profis, Journalisten und Bloggern.

Ich möchte mit fünf Missverständnissen aufräumen:

  • Das ist doch nicht neu, das sind einfach digitale Kundenmagazine.
  • Das ist eine Chance für den Journalismus, der muss nur seine Unabhängig herausstellen.
  • Werbung ist im Web der Normalzustand, kein Grund zur Aufregung.
  • Die Nutzer können das schon unterscheiden.
  • Wir schreiben „Werbung“ drauf und gut ist.

(In Anknüpfung an diesen Beitrag hier.)