Wohlfühl-Lifestyle statt Journalismus?!

Owned Media vs. Journalismus

Vodafone, E-Plus und Saturn machen sich Wohlfühl-Berichterstattung über Technik einfach selbst. Das Corporate Publishing soll aussehen wie Journalismus, Reichweite bringen und Kunden binden.

Für Werbeseiten wie Curved (E-Plus), Turn On (Saturn) und Featured (Vodafone) gibt es einen schönen Fachbegriff: Owned Media. Was die angeblich so unabhängigen Redaktionen mit dem Geld der Konzerne produzieren, ist vor allem eine Wohlfühl-Welt. Tolle Handys, tolle Gadgets, alles ganz toll. Nur nicht zu kritisch werden, das schlägt sonst doch nur auf die Kauflaune.

Die Seiten, von denen zwei schon sehr an das journalistische Angebot The Verge erinnern, sind aufwendig gemacht. Die Unternehmen haben investiert, in Technik und Redaktionen. Fünf Redakteure der Hamburger Agentur Content Fleet sollen das Saturn-Portal befüllen. Der YouTube-Kanal mit 80.000 Abonnenten hat das Riesennetzwerk Mediakraft im Impressum stehen.

Auf dem Gruppenfoto der E-Plus-Seite sind 20 Menschen zu erkennen (Nachtrag: altes Foto, aktuell wohl 25 Mitarbeiter). „Das Ziel ist es, so möglichst viel organische Reichweite zu erreichen und den Einsatz von bezahlter Werbung zurückzufahren“, sagt Jürgen Rösger von E-Plus in einem Interview. Der Hinweis auf E-Plus wird ganz unten auf der Seite versteckt.

Transparenter ist da Vodafone, die ihr Lifestyle-Magazin als Unternehmensblog auf der Firmenseite laufen lassen, „mit Themen und Meinungen von Experten, Journalisten und Vodafone-Autoren“. Die Seite sieht aufgeräumt aus, verzichtet auf Werbebanner und erklärt zum Beispiel die neuen Datenregeln bei Facebook.

Ein Service-Thema, über das auch Seiten wie Süddeutsche.de, SPIEGEL ONLINE oder Computerbild berichten. Die Werbeseiten, zum Teil besser ausgestattet als die Digitalressorts klassischer Medien, treten ganz klar in Konkurrenz zu den rein journalistischen Angeboten.

Ist das alles halb so wild? Checken die Nutzer das und holen sich echte Berichterstattung bei etablierten Medienmarken ab? Sind Verlage selbst Schuld, wenn sie nicht investieren und das Feld Werbeagenturen überlassen — das Vorbild The Verge aus den USA ist schließlich journalistisch? Aber müsste da nicht mindestens überall fett „Werbung“ draufstehen?

Fragen über Fragen. Ich freue mich ernsthaft über Kommentare!