Was es mit den DigHeads auf sich hat in 9 Antworten

Wer sind die DigHeads?

17 innovative Medienmacher, die von Journalistik-Masterstudenten der Universität Hamburg porträtiert wurden. Darunter sind zum Beispiel Susann Hoffmann von Edition F und Hansi Voigt von Watson.

Wo gibt es die Porträts?

Auf der Webseite digheads.de und auf dem Medienportal Vocer.

Soll ich das lesen?

Klar! Hier ein paar Zitate: “Man braucht da nicht so schrecklich viel Geld, man braucht Ideen. Das ist natürlich beängstigend für diejenigen, die Journalismus vor allem als betriebswirtschaftliche Größe begreifen”, sagt Stefan Lamby von Dbate. “Das ist der next level shit”, freut sich Hansi Voigts von Watson. “Datenjournalismus ist, als hättest du eine unlimited army of interns”, sagt Julius Tröger von der Berliner Morgenpost. Und Dirk von Gehlen von der Süddeutschen warnt: „Wenn Du einen Hashtag postest und nach sechs Stunden hat noch niemand darauf reagiert, ist es so, als würdest du bei einer Party auflegen und am Ende kommt keiner zum Tanzen.“ #DigHeads

Wer hat die 17 ausgesucht?

Die Studenten in meinem Seminar, mit Hilfe von David Bauer (NZZ), Steffi Fetz (Crowdspondent), Martin Giesler (ZDF) und Sissi Pitzer (Bayerischer Rundfunk).

Was, nur 5 Frauen?

Tja. Mein Kurs hat sich hartnäckig gegen eine Quote gewehrt. Ein Trost: Die Frauenquote im Seminar betrug über 80 Prozent.

Was soll das mit den Tieren?

Wenn Journalismus ein Tier wäre, diese Frage haben die Studenten ihren Interviewpartnern gestellt. Aus den Antworten haben sie einen YouTube-Trailer geschnitten. #journotier

Was passiert auf der #smwhh?

Das ist die Social Media Week Hamburg, auf der meine Studenten ihr Praxisprojekt am Freitagvormittag vorstellen und ihre Webseite launchen. Einen Livestream gibt es ab 10.30 Uhr hier.

Ihr wisst schon, wie DigHeads klingt?

¯\_(ツ)_/¯

Und nun?

Gibt es 16 motivierte Journalistik-Studenten, die Lust auf tolle Arbeit haben und nur noch ihre Masterarbeit schreiben müssen. Ein großer Dank an Volker Lilienthal von der Universität Hamburg, der das Seminar ermöglicht hat, sowie an Anna Aridzanjan (Welt), Jonas Leppin (KulturSpiegel) und Medienforscherin Nele Heise für ihre Unterstützung.

Wohlfühl-Lifestyle statt Journalismus?!

Owned Media vs. Journalismus

Vodafone, E-Plus und Saturn machen sich Wohlfühl-Berichterstattung über Technik einfach selbst. Das Corporate Publishing soll aussehen wie Journalismus, Reichweite bringen und Kunden binden.

Für Werbeseiten wie Curved (E-Plus), Turn On (Saturn) und Featured (Vodafone) gibt es einen schönen Fachbegriff: Owned Media. Was die angeblich so unabhängigen Redaktionen mit dem Geld der Konzerne produzieren, ist vor allem eine Wohlfühl-Welt. Tolle Handys, tolle Gadgets, alles ganz toll. Nur nicht zu kritisch werden, das schlägt sonst doch nur auf die Kauflaune.

Die Seiten, von denen zwei schon sehr an das journalistische Angebot The Verge erinnern, sind aufwendig gemacht. Die Unternehmen haben investiert, in Technik und Redaktionen. Fünf Redakteure der Hamburger Agentur Content Fleet sollen das Saturn-Portal befüllen. Der YouTube-Kanal mit 80.000 Abonnenten hat das Riesennetzwerk Mediakraft im Impressum stehen.

Auf dem Gruppenfoto der E-Plus-Seite sind 20 Menschen zu erkennen (Nachtrag: altes Foto, aktuell wohl 25 Mitarbeiter). „Das Ziel ist es, so möglichst viel organische Reichweite zu erreichen und den Einsatz von bezahlter Werbung zurückzufahren“, sagt Jürgen Rösger von E-Plus in einem Interview. Der Hinweis auf E-Plus wird ganz unten auf der Seite versteckt.

Transparenter ist da Vodafone, die ihr Lifestyle-Magazin als Unternehmensblog auf der Firmenseite laufen lassen, „mit Themen und Meinungen von Experten, Journalisten und Vodafone-Autoren“. Die Seite sieht aufgeräumt aus, verzichtet auf Werbebanner und erklärt zum Beispiel die neuen Datenregeln bei Facebook.

Ein Service-Thema, über das auch Seiten wie Süddeutsche.de, SPIEGEL ONLINE oder Computerbild berichten. Die Werbeseiten, zum Teil besser ausgestattet als die Digitalressorts klassischer Medien, treten ganz klar in Konkurrenz zu den rein journalistischen Angeboten.

Ist das alles halb so wild? Checken die Nutzer das und holen sich echte Berichterstattung bei etablierten Medienmarken ab? Sind Verlage selbst Schuld, wenn sie nicht investieren und das Feld Werbeagenturen überlassen — das Vorbild The Verge aus den USA ist schließlich journalistisch? Aber müsste da nicht mindestens überall fett „Werbung“ draufstehen?

Fragen über Fragen. Ich freue mich ernsthaft über Kommentare!

Wie Frank Schirrmacher uns den Atomausstieg schenkte

Der 20. Geburtstag von Spiegel Online bedeutet auch: Ich bin schon fünf Jahre dabei. Als ich damals in der Willy-Brandt-Straße anfing, war ich noch einer der jüngsten Redakteure. Jetzt sitzen wir im 13. Stockwerk auf der Ericusspitze und ich habe Studenten, denen ich den Newsroom zeigen kann. Höchst Zeit für einen kleinen Rückblick! Fünf Jahre mit Spiegel Online, oder wie Frank Schirrmacher uns einmal den Atomausstieg schenkte.

 

Twinkind
Foto: Ole Reißmann2010 · Castor-Transport

Kalte Nächte im Wald, Wettrennen mit Polizei und Demonstranten: Im November 2010 berichte ich aus dem Wendland von den Protesten rund um den Castor-Transport. Maria Marquart und ich haben das Programm geplant, mit vielen Kollegen setzen wir es gemeinsam um. Dafür gab es den Axel-Springer-Preis.

 

Julia Schramm: Privatsphäre ist sowas von Eighties
Foto: Juri Hößelbarth, CC-Lizenz BY-NC-SA2011 · „Privatsphäre ist sowas von Eighties“

Die damalige Piraten-Politikerin Julia Schramm ruft in einem Interview die Post-Privacy aus: Die Idee einer Gesellschaft ohne Privatsphäre, weil Datenschutz ohnehin nicht mehr funktioniert. Eine Debatte über die „datenschutzkritische Spackeria“ entbrennt. Der oberste Datenschützer bittet zur Diskussion. Christian Heller liefert die Theorie. Eine Konferenz namens Spackeriade wird abgehalten.

 

Interne E-Mails der NPD: Not, Peinlichkeiten, DVU-Ärger
Foto: ekvidi, CC-Lizenz BY-NC2011 · Die internen E-Mails der NPD

Ein USB-Stick landet in der Redaktion. Darauf gespeichert sind Zehntausende E-Mails der NPD. Sie zeigen das Innenleben einer desolaten Partei: Not, Peinlichkeiten, DVU-Ärger und „Bitte lügen!“.

 

Nuklearkatastrophe von Fukushima
Es ist kompliziert2011 · Fukushima-Liveticker

Immer neue Schreckensmeldungen aus Japan treffen ein: Erst ein Erdbeben, dann ein Tsunami und schließlich die Nuklearkatastrophe von Fukushima. Wir gehen nicht mehr nach Hause. Der unersetzliche Frank Schirrmacher hat uns später bei einem Redaktionsbesuch weismachen wollen, die Kanzlerin habe unseren Liveticker aufmerksam verfolgt und daraufhin Deutschlands Ausstieg aus der Atomenergie beschlossen.

 

Anonymous
Foto: Ole Reißmann2012 · We are Anonymous

Es ist ein Buch! Wir veröffentlichen unsere Recherchen zu Anonymous. Ich fahre zur Technischen Universität Chemnitz, zeige den Epic Sax Guy und lese aus dem Kapitel über 4chan vor.

 

Twinkind
Foto: Konrad Lischka2013 · Klon aus dem 3D-Drucker

Von einer Hamburger Firma lasse ich mich scannen und aus Polymergips drucken. Damit das lustiger aussieht, trage ich Mütze und Board. Endlich Hipster!

 

Edward Snowden enthüllt die NSA-Affäre
Grafik: Spiegel Online2013-14 · Die NSA-Affäre

Die. Größte. Geschichte. Überhaupt. Und das Netzwelt-Ressort ist mittendrin. Edward Snowden deckt auf, wie Geheimdienste das Internet überwachen und angreifen. Wir schreiben mehrere Hundert Meldungen, arbeiten an Enthüllungen und befassen uns mit den Folgen. Ein anstrengendes, ernüchterndes, wichtiges Jahr, in dem sich auch zeigt: Journalisten müssen Haltung zeigen.

… und so viel mehr. Danke den tollen Kollegen, den fabelhaften Lesern, den Experten und Tippgebern. #spon20

Apple-Aktionär Richard Gutjahr deckt Verschwörung auf

Richard Gutjahr ist einem ganz, ganz großen Skandal auf der Spur. Es geht um nichts weniger als die Wahrheit. Er allein bringt den Mut dafür auf. Andere Journalisten kuschen aus nackter Angst und vergessen die Grundsätze ihres Berufs. Oder nicht?

Es geht um Apple. Richard Gutjahr schreibt, dass er Aktien des Konzerns besitzt und man ihn als „Fanboy“ bezeichnen kann. Dass er Steve Jobs und die Firma bewundert, weil sie Welt enorm bereichert hätten. Und er setzt an zur großen Enthüllung:

„Zur Wahrheit gehört aber auch, dass ich inzwischen auch die andere Seite des Konzerns kenne. Eine Seite, die wir Journalisten bewusst verschweigen, was an sich schon äußerst denkwürdig ist.“

Gutjahr beschreibt, wie Apple die Einführung neuer Produkte inszeniert und dabei mit Journalisten umgeht. Das Problem an Gutjahrs reißerisch verpackter Story: Das ist alles bekannt. „Wir Journalisten“ schweigen nämlich gar nicht.

Nehmen wir zum Beispiel die Kollegen der „Computerbild“, die kürzlich ein neues iPhone verbogen haben und nun offenbar nicht mehr zu Apple-Veranstaltungen eingeladen werden sollen. Sie haben das öffentlich gemacht, viele Medien haben darüber berichtet. Oder wie wäre es mit diesem Interview auf „Spiegel Online“, in dem der wohl berühmteste Apple-Blogger John Gruber über die Spielchen des Konzerns Auskunft gibt? Auch ein Blick in den wirklich ausführlichen Report „Understanding Apple’s Mastery of the Media“ gibt Einblicke. Erschienen ist er auf „9to5Mac“, einer der größten Apple-Seiten überhaupt.

Es gibt noch mehr Artikel, die sich mit Apples PR-Strategie kritisch auseinandersetzen. Aber das darf Richard Gutjahr, den Apple-Fanboy, nicht stören. Nein, er braucht das verallgemeinernde „wir Journalisten“ für seinen Artikel, und er muss uns alle schweigen lassen. Damit Richard Gutjahr, der einzig wahre Krautjournalist, der allererste in der Apple-Schlange, die betrogenen Leser endlich erleuchten kann. Oder um es mit Felix Schwenzel zu sagen: „Richard Gutjahr macht einen auf Udo Ulfkotte“.

Zum Thema Apple-Aktien noch Henning Steier von der NZZ: „Als ich für eine Wirtschaftszeitung arbeitete, stand in unseren Verträgen, dass wir nicht über Unternehmen berichten dürfen, an denen wir beteiligt sind.“

Fünf tolle Webreportagen mit Aussicht auf den Reporterpreis

Hier gibt es was zu sehen: Diese fünf Webreportagen haben Fabian Mohr, Dirk von Gehlen, Stefan Heijnk und ich für den diesjährigen Reporterpreis nominiert. Nun sind die Juroren an der Reihe — die wirklich keine leichte Aufgabe haben.

Juhu! Kiezjournalismus auf der re:publica

Update: Video jetzt hier

mitte
Bild onnola, CC-Lizenz BY-SA

Ist das nur alter Wochenblatt-Content in neuen Eingabemasken – oder findet im Hyperlokalen endlich die Medienrevolution statt, von der wir seit Blogbeginn träumen? Um das herauszufinden, zeigen wir aktuelle Beispiele und diskutieren auf der re:publica in Berlin.

Wir schauen uns an, wie “Mittendrin” die Hamburger Presselandschaft auf den Kopf stellt und mit einer Smartphone-App Mediengeschichte schreibt. Wir reden darüber, wie die “Prenzlauer Berg Nachrichten” mit Berichten von Bezirksversammlungen junge Leser begeistern. Wir diskutieren, wie neue Blogs und eingesessene Zeitungen miteinander umgehen. Wir zoomen mit „Florakiez“ runter bis auf eine Straße.

Und wie geht es weiter? Wir fragen uns, für wen der hyperlokale Journalismus eigentlich gemacht wird, in welchen Städten das überhaupt funktioniert und was die wilden, neuen Ideen sind. Klar, dass es dabei auch um Geld geht. Zumindest ein bisschen.

Isabella David, Chefredakteurin von Mittendrin, dem Nachrichtenmagazin für Hamburg-Mitte

Annika Stenzel, Chefin vom Dienst bei der taz nord

Natalie Tenberg, Mitgründerin von Florakiez, freie Journalistin und Autorin

Juliane Wiedemeier, Gründungsredakteurin der Prenzlauer Berg Nachrichten und freie Journalistin

Moderation von mir. Genauer Termin kommt in den nächsten Tagen. Wir freuen uns sehr!